Presse

Ein Artikel der digitalen Ausgabe der Süddeutschen Zeitung vom 18.09.2018

http://sz.de/1.4133525

Landkreis Starnberg, 18.09.2018

Ausstellung in Starnberg

Abriss und Aufbau
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Von Ute Pröttel

Hinter den verglasten Schwingtüren der alten Schalterhalle im historischen Bahnhof läuft die Video-Installation "Broken home" von Monika Schultes. Durch das strukturierte Glas wirkt das Video wie ein verschwommenes Gemälde. Die doppelflügelige Türe bleibt allerdings nur solange geschlossen, bis der Musiker und Kabarettist Josef Brustmann die kleine Bühne des ungewöhnlichen Ausstellungsraumes freigibt. Er spielt zur 40. Vernissage der Starnberger Ausstellungsreihe "Nah-fern". Zum Thema "4 Wände - 1 Zimmer" haben die Kuratorinnen Katharina Kreye, Ulrike Prusseit und Ursula Steglich-Schaupp zwei sehr konträr arbeitende Künstler eingeladen, deren Arbeiten sich nebeneinander erstaunlich gut ergänzen.

Die Mitte des Raumes nimmt das Fragment einer Installation von Andreas Woller ein. "Gebiet" ist eine Materialcollage, die er für die Galerie der Künstler in München entwickelt hat. Auf Augenhöhe des Betrachters schwebt eine Siedlung aus kleinen Kammern. Sie sind aus mehreren Schichten Karton, Holz, Schaumstoff, Plastik, buntem Papier und Acrylfarbe gefertigt. Mal rund, meist eckig; nie jedoch bilden sie einen geschlossenen Raum. Je nach Position des Betrachters ergeben sich Einblicke oder Ausgrenzung. Auf Wollers Internetseite ist dazu zu lesen: "Was das Verhältnis zu seinem Publikum betrifft, will seine Arbeit vor allem nicht dem Paradigma der "Kommunikation mit dem Betrachter" unterworfen sein. Die Objekte, die er produziert und in Räumen platziert, sollen Gefühle gleichsam 'als sie selbst' im Raum manifestieren. . ." Vielleicht noch besser als die großflächige Arbeit schaffen dies Wollers filigrane Wandcollagen. Im Atelier, Woller selber spricht von seinem Materiallager, hängen sie freischwebend im Raum, meist mehrere nebeneinander. Sie sind nie wirklich fertig, auch die drei Arbeiten, die er mit nach Starnberg gebracht hat, befinden sich noch im Werden. 2013 beendete Woller sein Studium an der Akademie der bildenden Künste in München. Zuvor studierte er Philosophie in Regensburg und München.

Monika Schultes verarbeitete in "Broken home" den Verlust des mehr als 100 Jahre alten Elternhauses. Und thematisiert so ein sich beschleunigendes Phänomen unserer Zeit. Häuser, die über Generationen gewachsen sind, werden als nicht mehr zeitgemäß empfunden, leergeräumt und platt gemacht. Die letzten Tage des malerischen Häuschens im Grünen dokumentiert Schultes in einem Video, das Stück für Stück den Abriss begleitet.

Die Sehnsucht, Dinge der Vergangenheit zu bewahren, manifestiert sich im Rückwärtslauf der Aufnahmen. Das Video ist eine endlose Zeitschleife von Destruktion und Konstruktion. Bevor es zum Abriss kam, nutzte die 1955 geborene Künstlerin die Räume für verschiedene Kunstaktionen, die sie per Film und Fotografie dokumentierte. So brachte sie aktuelle Arbeiten in das Haus ihrer Kindheit und hängte sie in das ehemalige Schlafzimmer der Eltern oder ins Treppenhaus. Doch die großformatigen Zeichnungen passen nicht so recht in das verwinkelte Gebäude. Fast mutete es an, als wolle sie dem alten Haus eine neue Seele einhauchen. Auch die Zeichnungen und Fotografien sind Teil der Ausstellung.

Die Installation "Broken home" wird schließlich abgerundet durch zwei Kunstvideos. "Un-schuld" (11:06 Minuten) ist im ehemaligen Zimmer der Großmutter entstanden und beschäftigt sich mit der Entwicklung eines Mädchens zur jungen Frau. In "Canna" (3:09 Minuten) testet die Künstlerin, was mit Großmutters bestens erhaltener Kaffeekanne passiert, wenn diese in Schräglage gelangt.

Beinahe könnte man den Eindruck gewinnen Wollers filigrane Wandarbeiten seien aus dem Material des abgerissenen Elternhauses von Schultes entstanden, doch er arbeitete in Taufkirchen/Vils, Schultes Elternhaus hingegen stand hinter Augsburg, Richtung Schwabmünchen. Die beiden Künstler kommen sich in Starnberg das erste Mal nahe.

Bis zum 7. Oktober. Geöffnet freitags von 16 bis 18 Uhr, Samstag und Sonntag von 14 bis 18 Uhr.


Monika Schultes zeigt in der Galerie Noah mit neuen Malereien und Keramiken Witz und Sinnlichkeit.

Mehr unter:

Text: Günter Ott
7. März 2018, Augsburger Allgemeine - Feuilleton regional


Monika Schultes im Studio der Galerie Noah - Beim Glaspalast, Augsburg Vernissage am Donnerstag, 8. Februar 2018 um 19 Uhr. Dauer der Ausstellung: 9. Februar bis 18. März 2018

Quelle: a.tv - Fernsehen für Augsburg und Schwaben


2. Dezember 2017, Augsburger Allgemeine: Wo Alltägliches zur Kunst wird

Auszug aus dem Artikel vom 2. Dezember 2017

Augsburger Allgemeine - Feuilleton

Wo Alltägliches zur Kunst wird

Wenn etwas in Schieflage gerät...

Die Video-Kunst ist nicht gerade eine Domäne der Großen Schwäbischen. Und bildhafte Überhöhung ist andererseits auch nicht unbedingt die Regel bei Videos. Umso erfreulicher, dass nun „Canna“ von Monika M. Schultes (*1955) in die Schau kam, ein überraschender, surrealer Film nicht ohne Komik: Die Künstlerin liegt, die Kanne steht auf einem Tisch, und wenn sich die Künstlerin erhebt, kommt der Tisch in Schräglage und die Kanne fällt hinunter. Der Zufall aber wollte es, dass die stürzende Kanne nicht zersprang. Und dann kehrt sich das Video, die Zeit um - und die Kanne fliegt wieder auf den Tisch.

von Rüdiger Heinze und Michael Schreiner


29. November 2016, Landsberger Tagblatt: broken home

24. September 2015, Art Guide: Dolce far niente

14. November 2015, Augsburger Allgemeine: Die Kunst des Müßiggangs

27. Oktober 2015, Augsburger Allgemeine: nimmZwei - Die Kunst der Paarung

8. September 2013, Museumsseite Veranstaltungskalender: Von Musen und Mythen

3. Mai 2013, Schwabmünchner Allgemeine: Von Musen und Mythen

28. April 2013, Museum Schwabmünchen: Variationen von der Venus

12. Mai 2010, Schwäbisches Volkkundemuseum Oberschönefeld: women - Frauenbilder